27.07.2005 - Erster Pest-Ausbruch in New Mexico

Pest: immer wieder Ausbrüche

Die Zeit um 1350 war geprägt durch den Ausbruch der großen Pest, dem "schwarzen Tod", der damals über ein Drittel der Menschen in Europa hinwegraffte. Der plötzliche massenhafte Tod erschütterte die Menschen tief
Die Zeit um 1350 war geprägt durch den Ausbruch der großen Pest, dem "schwarzen Tod", der damals über ein Drittel der Menschen in Europa hinwegraffte. Der plötzliche massenhafte Tod erschütterte die Menschen tief.

Der erste Fall von Pest in New Mexico (USA) wurde bei einem Erwachsenen im Santa Fe County festgestellt. Der Erkrankte erholt sich derzeit im Krankenhaus, teilte gestern KOB-TV mit. In den nördlichen Landkreisen New Mexikos gibt es viele an Pest infizierte Hunde, Katzen und Nagetiere. Von besonderer Bedeutung ist, dass auch die USA als Pest-Endemiegebiet gelten. Ende 2004 wurde über einen tödlich verlaufenden autochthonen Pestfall aus dem Bundesstaat Colorado berichtet. Erkrankt war ein 66-jähriger Mann, der sich bei der Hasenjagd in Park County, Colorado, infizierte. 
 
Der "Schwarze Tod", der im Mittelalter nahezu ganze Landstriche entvölkerte, ist auch heute noch nicht ausgerottet. Kulturgeschichtlich hat die Pest wie keine andere Erkrankung die Menschheitsgeschichte geprägt und ihre Spuren in Gemälden, Literatur sowie historischen Ereignissen hinterlassen. Die letzte Pandemie begann 1896 in Asien und wurde über den Schiffsverkehr über die Welt verteilt.

Seit den 1950er Jahren kam es zu einem stetigem Rückgang der Pestfälle weltweit. Derzeit werden der Weltgesundheitsorganisation jährlich etwa 1.000 Pestfälle gemeldet. Schlagzeilen machte die Pest 1994, als sie in Indien zwei größere Ausbrüchen mit fast 1.000 Erkrankten verursachte.

Auch kam es 1995 auf Madagaskar zu einer Epidemie mit mehreren hundert Erkrankten. Das Auftreten von Pest auf Madagaskar wird engmaschig untersucht, da dort erstmals ein multiresistenter Yersina pestis-Stamm zirkulierte.

Pest im Mittelalter: Die Übertragung der Pesterreger von Ratten und Flöhen auf den Menschen kannte man noch nicht

Neben Madagaskar werden die aktuell die höchsten Inzidenzen aus Tanzania, Vietnam, Myanmar, Indien sowie Peru gemeldet. Der Pest-Ausbruch in Zhongba genau vor einem Monat, einem Bezirk in der Xigaze Präfäktur im Südwesten Tibets, ist nach Mitteilung des Chinesischen Gesundheitsministeriums angeblich unter Kontrolle gebracht worden. Der Pest-Ausbruch wird datiert zwischen dem 13. und 18.Juni 2005, infolge wurden 2 Tote gemeldet, nachdem diese Murmeltier-Fleisch gegessen hatten.

Als Ansteckungsweg wird das Häuten geschossener Hasen vermutet. Da Hasen und Erdhörnchen (Prairie dogs) häufig mit Pestflöhen befallen sind, dürfte die Pestinfektion durch eine Flohstich übertragen worden sein. Allein seit 1957 kam es in Colorado zu 50 Pestfällen, von denen 8 tödlich verliefen. Weitere endemische Pestherde finden sich in Kalifornien sowie in Texas.

Pest ist eine bakterielle Infektion, die durch das gramnegative Stäbchenbakterium Yersinia pestis verursacht wird. Die Pest gilt als klassische Zooanthroponose. Die Ansteckung erfolgt durch den Stich eines infizierten Rattenflohs. Klinisch werden die Bubonenpest (Beulenpest) und die Lungenpest unterschieden. Die meisten heute auftretenden Pesterkrankungen verlaufen unter dem Bild der Bubonenpest. Diese äußert sich zunächst mit akut auftretenden schmerzhaften, beulenartigen Schwellungen der betroffenen Lymphknoten. Betroffen sind meist die inguinalen Lymphknoten.

Rattenfloh ls Überträger der Pest

Daneben bestehen hohes Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Tachykardien. Sofern keine antibiotische Therapie erfolgt, kann es zur hämorrhagischen Pestseptikämie kommen. Unbehandelt beträgt die Letalität der Beulenpest etwa 60%.

Die Lungenpest kann entweder als Folge der Beulenpest auftreten oder durch Aerosole von Mensch zu Mensch übertragen werden. Charakteristisch für die Lungenpest ist die hämorrhagische Bronchopneumonie, die mit himbeersirup-artigem Sputum beginnt. Die Letalität der Lungenpest ist sehr hoch und die Patienten versterben meist bereits innerhalb 48 Stunden nach Erkrankungsbeginn.

Die Therapie der Pest erfolgt antibiotisch. Zur Verfügung stehen hierfür Streptomycin, Sulfonamide, Kanamycin, Chloramphenicol sowie Tetrazykline. Zur Expositionsprophylaxe empfiehlt sich Doxycyclin, welches auch zunehmend zur Malaria-Prophylaxe eingesetzt wird. Eine formalin-inaktivierte Pest-Vakzine ist in den USA verfügbar. Ob dieser Impfstoff auch vor Lungenpest schützt, ist nicht bekannt.

Yersinia pestis gilt auch als potentielles Agens für biologische Waffen. Während des II. Weltkrieges wurde Yersinia pestis von der kaiserlichen japanischen Armee gegen die chinesische Zivilbevölkerung eingesetzt. In der früheren Sowjetunion wurde an der Herstellung von multiresistenten Yersinia pestis-Stämmen für Waffenzwecke gearbeitet. (Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010