Krankenhausinfektionen, d. h. Infektionen, die bei einem Patienten während eines Aufenthalts einer Einrichtung des Gesundheitswesens erworben wurde, treten in Deutschland mit einer Häufigkeit von 3 bis 10% auf. In den letzten Jahren wurde nicht zuletzt bedingt durch die bessere Surveillance eine Zunahme nosokomialer Infektionen verzeichnet.
Die Gründe hierfür sind vielfältig und sicherlich nicht zuletzt durch die Weiterentwicklung der modernen Medizin mit immer mehr invasiven, diagnostischen und therapeutischen Verfahren mitbedingt. Dies hat jedoch eine Erhöhung des Infektionsrisikos zur Folge. Seit 1997 nimmt eine steigende Zahl von Krankenhäusern am Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) teil, um die Häufigkeit nosokomialer Infektionen zu erfassen.
02.11.2007 - Weiterer Anstieg von Krankenhaus-Infektionen?
Bedeutung der Händedesinfektion oftmals unterschätzt
Das Hauptaugenmerk der KISS-Erhebungen liegt auf "Device"-assoziierten nosokomialen Infektionen, da bekannt ist, dass der Einsatz von "Devices" (invasive Medizinprodukte oder -apparate) einen wichtigen Risikofaktor für eine nosokomiale Infektion darstellt. Die Meldedaten umfassen dabei Harnwegkatheter-assoziierte Harnwegsinfektionen, Beatmungs-assoziierte Atemwegsinfektionen und zentrale Gefäßkatheter-assoziierte Sepsisfälle.
Jährlich muss in Deutschland mit etwa 500.000 bis 800.000 nosokomialen Infektionen gerechnet werden. Davon treten etwa 60.000 Infektionsfälle auf Intensivstationen auf. Die Häufigkeit schwankt zwischen Krankenhäusern und weist auch unterschiedliche Inzidenzen zwischen den Fachdisziplinen auf. Die höchsten Infektionsraten werden naturgemäß bei Patienten auf Intensivstationen gefunden, da dort zum einem die Zahl der invasiven Behandlungen am höchsten ist und zum anderen die Schwere der Erkrankung der Patienten besonders hoch ist.
Auch finden sich auf Intensivstationen insbesondere auch vermehrt Patienten mit Immundefizienz. Nach Expertenmeinung ließen sich 20 bis 30% der nosokomialen Infektionen vermeiden. Sicherlich mitbedingt durch die von den Kostenträgern und der Politik gewollten ökonomischen Zwänge, insbesondere dem extrem engen Personalkorsett der Kliniken, wird sich an dieser Situation mittelfristig nur wenig ändern bzw. ändern lassen.
Dazu kommen zum Teil hausgemachte Probleme, die die Selektion multiresistenter Keime (zum Beispiel Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, Methicillin-resistenter Staphylocccus epidermidis, "extended spectrum" Betalaktamase-Bildner, Vancomycin-resistente Enterokokken) bedingt oder begünstigt haben. Auch die zunehmende Zahl immer älter werdender, multimorbider Patienten begünstigt langfristig nosokomiale Infektionen.
Bei nosokomialen Infektionen werden exogene von endogenen Infektionen unterschieden. Bei exogenen Infektionen erfolgt die Aufnahme des Erregers aus der Umgebung des Patienten, zum Beispiel durch Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder sonstigen Materialien. Dem gegenüber stammen die Erreger bei primären endogenen Infektionen vom Patienten selbst.
Dies betrifft insbesondere Patienten mit Abwehrschwäche infolge einer Grunderkrankung. Bei sekundären endogenen Infektionen sind die Erreger Teil der patienteneigenen Flora und werden im Laufe der Erkrankung Ursache für eine Infektion.
Vermeiden lassen sich Krankenhausinfektionen nicht durch eine bestimmte Maßnahme, sondern durch eine Vielzahl von Schritten. Dazu gehören unter anderem die strikte Einhaltung der Hygienerichtlinien durch das im Krankenhaus beschäftigte Personal, ein gut geschultes Hygienepersonal, eine konsequente Erfassung und Analyse von Krankenhausinfektionen und ein restriktiver sowie gezielter Einsatz von Antibiotika.
In vielen Veröffentlichungen wird auf die hohe Bedeutung der Händedesinfektion bei der Vermeidung von Krankenhausinfektionen hingewiesen. Studien zeigten, dass sich durch die konsequente Anwendung der Händedesinfektion durchaus die Raten an nosokomialen Infektionen senken lassen. Daher sollte der Händedesinfektion, quer durch alle Abteilungen, eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Das im Krankenhaus tätige Personal sollte über die Notwendigkeit der Händedesinfektion besonders geschult werden (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg)
© Medizinische Enzyklopädie 2010


