Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) und aneurysmatische Subarachnoidalblutungen (SAB) verursachen offensichtlich sehr viel häufiger als bisher angenommen eine Störung der Hypophysenfunktion mit konsekutiver Insuffizienzsymptomatik, die durch Substitution behandelbar wäre.
02.12.2004 - Hypophysen-Insuffizienz nach Schädel-Hirn-Trauma: Problem mit hoher Dunkelziffer
SHT ist die häufigste Ursache für Tod oder Behinderung bei jungen Erwachsenen
Das SHT ist die häufigste Ursache für Tod oder Behinderung bei jungen Erwachsenen (200-300/100.000 Einwohner/Jahr) und die arterielle Blutung in den Subarachnoidalraum durch Ruptur eines Aneurysmas (SAB) tötet 6-10/100.000 Einwohner/Jahr (4. bis 6. Lebensdekade).
SHT/SAB-Patienten, aber auch Patienten mit Hypophyseninsuffizienz leiden meist an Lebensqualitätseinbußen und psychosozialen Einschränkungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Müdigkeitssyndrom, Depression und Angststörungen, sozialer Isolation, Libidostörungen und sie sind in der Regel arbeitsunfähig.
Bislang blieb die traumatisch bedingte Hypophyseninsuffizienz weitgehend unbeachtet. Erst seit etwa vier Jahren liegen Studienergebnisse vor, die zeigen, dass nach SHT/SAB in 30 bis 70% aller Fälle Störungen der endokrinen Hypophysenvorderlappensekretion nachweisbar sind, bevorzugt fehlen Wachstumshormon und Hormone der kortikotropen Achse – aber auch die gonadotrope und thyreotrope Achse sind nicht selten beeinträchtigt. Wird eine solche Störung nicht erkannt, müssen die zumeist jungen SHT-Patienten mit einer posttraumatischen Insuffizienzsymptomatik leben, die durch Hormonsubstitution erfolgreich behandelt werden könnte.
Geht man davon aus, dass etwa ein Drittel der SHT-Patienten in Deutschland (Inzidenz: 160.000 bis 240.000 pro Jahr) von einer partiellen posttraumatischen Hypophyseninsuffizienz betroffen sind, muss eine jährliche Inzidenz von bis zu 80.000 Fällen hypophysärer endokriner Fehlfunktion pro Jahr angenommen werden.
Hier besteht Handlungsbedarf. Der Aufbau lokaler Screening-Projekte und einer Datenbank mit dem Ziel der homogenen Erfassung von klinischen Daten und endokrinen Funktionstests bei SHT-Patienten soll dabei helfen, betroffene Patienten zu erfassen und einer angemessenen Hormonsubstitution zuzuführen. (Dr. Eberhard J. Wormer)
Quelle: Pressekonferenz "Hypophyseninsuffizienz nach SHT", München, 30.11.2004
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