23.11.2004 - Neurodermitis: Langzeitkontrolle ohne Steroide gefordert

In Deutschland leiden etwa 2,3 Millionen Menschen an atopischem Ekzem

Schnittbildansicht gesunder (links) und ekzematöser Haut (rechts) des Augenlids
Schnittbildansicht gesunder (links) und ekzematöser Haut (rechts) des Augenlids: Die oberste Stratum-corneum-Hautschicht ist bei Neurodermitis bzw. atopischem Ekzem deutlich dünner im Vergleich zum Normalbefund bei Gesunden, die schützende Hautbarrierefunktion ist somit wesentlich gschwächt (Lee et al. 2002)

Präemptive, langfristig nicht-steroidale Therapiestrategien für Patienten mit atopischem Ekzem sind seit langem überfällig. Diese Forderung stützen die auf dem EADV-Kongress in Florenz erstmals vorgestellten Ergebnisse der ISOLATE-Studie. Die bislang einzige effiziente steroidfreie Behandlungsoption sind topische Calcineurin-Inhibitoren wie Pimecrolimus.

In Deutschland leiden etwa 2,3 Millionen Menschen an atopischem Ekzem, einer chronischen, mit entzündlichen Schüben verlaufenden allergischen Erlrankung. Betroffene sind nicht nur körperlich schwer beeinträchtigt (Hautrötung, -entzündung, -trockenheit, Juckreiz), sondern müssen auch mit psychischer Belastung, Diskriminierung und Stigma leben.

An der ISOLATE-Meilensteinstudie (International Study of Life with Atopic Eczema) waren 2000 Betroffene aus 8 Ländern beteiligt, die zum Einfluss der neurodermitischen Erkrankung auf ihr Leben (Lebensqualität, Beruf, Beziehung) Auskunft gaben. 60% der Befragten waren erwachsene Patienten und 40% Betreuer von Kindern ab zwei Jahren. Die Ergebnisanalyse verweist deutlich auf die Verzweiflung mit der viele Patienten leben müssen:

• 75% der Betroffenen betonen, dass die effiziente Ekzemkontrolle das wichtigste Ziel ist, um ihre Lebenqualität zu verbessern.

• 55% der Betroffenen fürchten den nächsten entzündlichen Schub.

• Mittelschwer erkrankte Ekzempatienten verbringen im Durchschnitt 96 Tage und schwer erkrankte Neurodermitiker 146 Tage pro Jahr im entzündlichen Schub.

• 66% der Betroffenen benutzen topische Steroide nur dann, wenn kein anderes Mittel mehr hilft. 58% beschränken die Anwendung topischer Steroide aus Furcht vor Nebenwirkungen nur auf bestimmte Körperregionen und 39% der Patienten verwenden Steroide aus demselben Grund weniger häufig als vom Arzt empfohlen.

• 67% der Betroffenen wünschen sich eine Therapieoption, die ohne Steroide auskommt und eine sehr frühzeitige Prävention entzündlicher Schübe ermöglicht.

Weitere Befunde der Studie beziehen sich auf bislang zu wenig beachtete Störungen und Belastungen von Neurodermitis-Patienten, die unterschiedliche Lebensbereiche betreffen: Mehr als ein Viertel der Betroffenen fühlt sich stigmatisiert und etwa jeder 10. berichtet über berufliche Nachteile; jeder 5. erwachsene Neurodermitiker berichtet über Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung, viele Patienten fühlen sich oft allein gelassen und isoliert; psychische Probleme wie Depression, Frustration und Minderwertigkeitsgefühle kommen hinzu; Leistungseinbußen in der Schule und am Arbeitsplatz sind oft unvermeidlich.

Eine der größten Hoffnungen der Patienten richtet sich auf die weitgehend steroidfreie Behandlung und Prävention von Neurodermitis-Schüben. Mit Pimecrolimus-Creme 1% sind leichte bis mittelschwere entzündliche Schübe im Frühstadium wirksam beherrschbar, nur bei schwerer Symptomatik müssen topische Steroide eingesetzt werden.

Pimecrolimus hemmt selektiv inflammatorische Zytokine, schützt aktuellen Studienergebnissen zufolge (Meurer et al. 2004) in der Langzeitanwendung 60% der Patienten vor akuten Schüben (22% in der Kontrollgruppe) und trägt zu der – von den Patienten so sehr gewünschten – Einsparung von topischen Steroiden bei. (Dr. Eberhard J. Wormer)

Quelle: Satellite Symposium Controlling Atopic Eczema – The Journey to Long-Term Control, 13. Congress of the European Academy of Dermatology and Venerology (EADV), Florenz, Italy, 18.11.2004

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Studie: Im weltweiten Vergleich werden deutsche Ärzte von Neurodermitis-Patienten besonders gut bewertet

Im weltweiten Vergleich werden deutsche Ärzte von Neurodermitis-Patienten besonders gut bewertet: 47% der Patienten berichteten, dass ihre behandelnden Ärzte mit ihnen auch über den Einfluss der Ekzemerkrankung auf emotionale Lebensaspekte gesprochen hätten, der internationale Durchschnittswert beträgt nur 26% (ISOLATE-Studie 2004).