24.11.2009 - Blastocystis hominis: wenig bekannter Erreger von Diarrhoen

Blastozysten sind weltweit verbreitet

Die Liste der humanen Pathogene, die zu gastrointestinalen Beschwerden führen, umfasst neben verschiedenen Bakterien, einschließlich deren Toxine, Viren, Würmer, Pilze sowie Protozoen, auch weniger bekannte Erreger. Als ein weniger bekannter Erreger muss Blastocystis hominis angesehen werden. Blastocystis hominis, ein zu den Protozoen gerechneter Erreger, gilt heute als fakultatives humanes Pathogen.

Noch bis vor kurzem wurde seine Rolle als Verursacher von Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes kritisch angesehen. Neuere Arbeiten weisen jedoch durchaus auf eine Pathogenität hin. Angenommen wird, dass es sich bei der Infektion mit Blastozysten um eine Zoonose handeln könnte. Blastozysten sind weltweit verbreitet und lassen sich oftmals bei asymptomatischen Personen wie auch bei Patienten mit Diarrhoen nachweisen. Zwar ist der Übertragungsweg bislang nicht gesichert, jedoch kann angenommen werden, dass es sich um eine fäkal-oral übertragene Infektion handelt. Infektionsquellen können Trinkwasser wie auch kontaminierte Nahrungsmittel sein.

Wichtiger Risikofaktor für eine Infektion mit Blastocystis sind zudem Reisen in tropische Länder, da der Erreger bei heißem und feuchten Klima häufiger akquiriert zu werden scheint. Typisch für Blastozysten ist eine nur geringe Umweltresistenz.

Die Aufnahme der Zysten erfolgt oral. Nach der Magenpassage kommt es zur Ruptur der Zysten und Freisetzung vakuolärer Formen, die sich anschließend durch Mitosen vermehren. Es entwickeln sich dabei multivakuoläre sowie amoeboide Formen. Nach schizogener Weiterentwicklung bilden sich Zystenformen, die wiederum mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Der Erreger kolonisiert im Kolon und verursacht eine lokale Entzündung. In der Darmbiopsie findet sich ein mukosales Ödem mit lympho-plasmazellulären Infiltraten in befallenen Regionen.

Klinisch stehen abdominelle Beschwerden mit Krämpfen und Meteorismus sowie Diarrhoen im Vordergrund. Daneben bestehen Übelkeit, Erbrechen sowie Gewichtsverlust. Die Dauer der Beschwerden kann zum Teil mehrere Wochen betragen. Betont werden muss jedoch, dass sicherlich die überwiegende Zahl der Infektionen asymptomatisch verlaufen. Bei immunsupprimierten Patienten kann Blastocystis hominis als opportunistische Infektion jedoch durchaus von klinischer Relevanz sein.

Blastozysten lassen sich in frischen Stuhlproben mikroskopisch nativ nachweisen. Auch im Duodenalsekret finden sich die Erreger. Meist lassen sich dabei multivakuoläre, sphärische bis ovale Formen darstellen. Eine Therapie ist nur bei symptomatischen Patienten angezeigt. Vor der Entscheidung einer medikamentösen Behandlung sollte eine weitergehende Stuhldiagnostik durchgeführt werden, um andere, oftmals wahrscheinlichere Pathogene auszuschließen.

Verläuft diese Diagnostik negativ und bestehen die abdominellen Beschwerden weiterhin, ist eine antimikrobielle Therapie gerechtfertigt. Als wirksame Substanzen gelten dabei Metronidazol über 7 bis 10
Tage sowie Iodoquinol über 20 Tage. Zudem lässt sich der Erreger auch mit Imidazol-Derivaten, Cotrimoxazol sowie Tetrazyklinen effektiv behandeln.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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