"Der Gesundheitsmarkt wird langfristig von wenigen großen, meist börsennotierten Klinikketten beherrscht. Der verbleibende, wesentlich reduzierte Anteil der öffentlichen Krankenhäuser wird überwiegend von privaten Betreibern geführt" – diese radikale Prognose wagte vor kurzem die HypoVereinsbank. Dabei haben bereits die geänderten Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre zur Schließung von mehr als 15% der deutschen Krankenhäuser geführt. Durch die Einführung der DRG wird die Transformation des deutschen Gesundheitssystems aber noch beschleunigt.
Nach einer aktuellen Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung sind bis 2008 voraussichtlich 26% der Kliniken in ihrer Existenz gefährdet. Doch wie viele der kommunalen Krankenhäuser wirklich schließen müssen, ist offen. Und ob die Privatkliniken ihren Vormarsch fortsetzen können, hängt von verschiedenen Bedingungen ab.
18.11.2004 - Kliniken: Schließung oder Privatisierung?
Der Konkurrenzkampf zwischen privaten Klinikketten und kommunalen Krankenhausverbünden ist noch nicht entschieden
Auf diese Weise konnten die Privaten Klinikketten ihren Marktanteil erhöhen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft befinden sich inzwischen schon 20% der Krankenhäuser in privater Hand. Insgesamt konnten die privaten Klinikketten, entgegen dem Branchentrend, Zuwächse in Bezug auf Unternehmensgröße, Umsatz und sogar Gewinn verzeichnen.
Die Sana-Kliniken sind zum Beispiel führend bei der Klinikzahl und beim Umsatz. Den höchsten Gewinn konnten aber 2003 die Helios-Kliniken erwirtschaften.
Die privaten Klinikbetreiber haben von der Krise der Krankenhausbranche profitiert und kauften vor allem kommunale Krankenhäuser, die wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit den Betrieb einstellen mussten. Dabei wurden die privaten Krankenhausgruppen durch Banken beraten, die sich auf Klinikenübernahmen spezialisiert haben. Gemessen an der Ertragskraft genießen die Privaten im Rating der Banken eine bessere Bewertung als die kommunalen Klinken. Dies führte unter anderem zu Wettbewerbsvorteilen bei der Kreditvergabe.
Wer aus diesem Verdrängungswettbewerb als Sieger hervorgehen wird, ist allerdings noch nicht absehbar. Bezweifeln darf man die Annahme, dass die privaten Klinikbetreiber grundsätzlich besser wirtschaften können als die Kommunalen. Durch Kostenmanagement, Outsourcing und Optimierung der Betriebsabläufe versuchen die Kommunalen mit den Privaten gleichzuziehen. Durch Klinikverbünde und regionale Ausdehnung des Leistungsangebots sollen die Kapazitäten besser ausgelastet werden. Finanzielle Altlasten durch Pensionsansprüche der Beschäftigten wurden zum Beispiel in München durch die Stadt übernommen.
Positiv entwickelten sich die öffentlichen Klinken in Nürnberg oder Karlsruhe. Dagegen musste die Sanitas-Gruppe, die erst im Sommer 2003 überteuert von der SRH-Kliniken AG eingekauft wurde, schon im folgenden Winter einen Insolvenzantrag stellen. Dieser Fehlgriff bedeutete für die SRH-Klinik AG einen Verlust von 5 Mio. Euro.
Noch ungünstiger verlief die Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Marseille-Kliniken, die im Februar durch die Rating-Agentur Standard & Poor`s vorgenommen wurde. Demnach wurden Anleihen des Unternehmens mit der Note "BB" als hoch spekulativ bewertet.
Kritisch betrachtet wird das auch das Wachstum der Privaten. Um einen entscheidenden Marktanteil zu erringen, wurde in der Vergangenheit "gekauft, was angeboten wurde". Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Stuttgart befürchtet deshalb, dass die privaten Klinikketten durch die Konkurrenzsituation die Ertragsanalyse vernachlässigt und damit Überkapazitäten angekauft haben. Durch den Investitionsstau der vergangenen Jahre wären viele Kliniken außerdem sanierungsbedürftig.
Generell wird die Ertragsfähigkeit von Kliniken mit weniger als 300 Betten von den Stuttgarter Wirtschaftsprüfern als gering bezeichnet. Bei den kommunalen Krankenhäusern ist die kostendeckende Unternehmensführung ja ausreichend. Die privaten Klinikkettenbetreiber müssten aber auch noch die Eigenkapitalgeber zufrieden stellen. (Holger Schmidt)
© Medizinische Enzyklopädie 2010


