17.11.2004 - Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) weiterhin im Zunehmen
An Influenza- und Pneumokokken-Impfung denken - World COPD Day
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) stellt weltweit ein beträchtliches Gesundheitsproblem dar und gilt weltweit als die vierthäufigste Todesursache. Dies dürfte sich allerdings nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zukunft ändern.
So rechnet die WHO damit, dass die COPD bis 2020 an die zweite Stelle der Todesursachen klettern wird. In Deutschland leiden 4 bis 5 Millionen Menschen an COPD. Betroffen sind dabei insbesondere Männer im höheren Lebensalter. Generell gilt, dass die Inzidenz der COPD mit dem Alter zunimmt. Ein besonderer Risikofaktor ist dabei der Tabakkonsum, insbesondere Zigarettenrauchen.
Unter dem Motto "Don't ignore COPD!" findet heute der diesjährige World COPD Day statt. Initiiert von der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Diseases (GOLD) ist das übergeordnete Ziel des weltweiten Aufklärungstages, die Kenntnisse rund um COPD zu erhöhen und sowohl bei Ärzten und Gesundheitsorganisationen als auch bei der breiten Bevölkerung das Bewusstsein für diese Lungenerkrankung zu schärfen.
Die derzeit gültige Definition der COPD, basierend auf einem Konsensus verschiedener internationaler Fachgesellschaften (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), schließt Patienten ein, bei denen Husten, Sputumproduktion und Luftnot und darüber hinaus in der Anamnese eine Exposition gegenüber Risikofaktoren für die Entwicklung einer COPD bestehen. Zu sichern ist die Diagnose durch spirometrische Untersuchungen.
Als die häufigste Manifestionsform der COPD gilt die chronische Bronchitis, die bei 90% der Patienten nachzuweisen ist. Bei der COPD lassen sich unterschiedlich schwer ausgeprägte Stadien, die vom Stadium O bis III reichen, unterscheiden, die von chronischem Husten mit Sputumproduktion bei normaler Spirometrie bis hin zu deutlich eingeschränkter Vitalkapazität, respiratorischem Versagen oder klinischen Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz oder Rechtsherzversagen reichen.
Der Nachweis von Bakterien hat bei Patienten mit COPD eine wichtige Bedeutung. Typische Erreger, die insbesondere bei der akuten Exazerbation einer chronischen Bronchitis im Sputum nachgewiesen werden, sind Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae und Moraxella catharralis. Als wichtigster Erreger gilt dabei Haemophilus influenzae, der bei 30 bis 70% der Patienten mit akuter Exazerbation der chronischen Bronchitis im mukopurulenten Sputum nachgewiesen werden kann.
Bei fortgeschrittenen Stadien der chronischen Bronchitis werden zudem auch gramnegative Keime, wie Klebsiella-, Proteus-, Enterobacter-Spezies wie auch Pseudomonaden nachgewiesen. Die mikrobiologische Diagnostik leidet jedoch derzeit in Deutschland unter dem Korsett von Budgets sowie DRGs. Verschiedene Studien belegen jedoch die Wichtigkeit der Sputumbakteriologie, insbesondere bei der akuten Exazerbation der chronischen Bronchitis. Abgegrenzt muss jedoch die akute Tracheobronchitis ohne dem Krankheitsbild einer COPD, die meist viral bedingt ist und daher keine antibiotische Therapie benötigt.
Die Behandlung von Patienten mit COPD ist vom Schweregrad der klinischen Symptomatik abhängig und reicht von der ambulanten Behandlung bis zur stationären und intensivmedizinischen Therapie. Stadienabhängig werden Aminopenicilline, Fluorchinole bzw. Pseudomonas-wirksame Fluorchinolone eingesetzt. Alternativ können Makrolide, Cephalosporine oder Aminopenicilline und Betalakatamaseinhibitoren entsprechend dem Antibiogramm angewendet werden. Der Einsatz von Glukokortikoiden kann im Einzelfall indiziert sein, jedoch zeigen verschiedene Studien keinen klaren Trend hinsichtlich eines therapeutischen Erfolgs.
Werden Pseudomonaden kulturell nachgewiesen, sollte die antibiotische Therapie auf der Basis des Antibiogramms eingeleitet werden. Zur Anwendung stehen hier Ciprofloxacin, Piperacillin + Tazobactam, Ceftazidim, Cefepim, Meropenem oder Imipenem, ggf. in Kombination mit einem Aminoglykosid, zur Verfügung. Nicht vergessen werden sollte bei COPD-Patienten die jährliche Impfung gegen Influenza. Zudem empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung gegen Pneumokokken bei diesen Patienten, unabhängig vom Alter.
Informationsmaterial über COPD sowie ein Selbsttest zur Überprüfung des eigenen COPD-Risikos können kostenlos angefordert werden beim: COPD-Kompetenz-Forum, Kennwort: Luftstau, Postfach, D-60196 Frankfurt. (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010