12.11.2004 - Impfung gegen das Zervixkarzinom

Meilenstein in der Tumorprävention

Zur wirkungsvollsten kausalen Prophylaxe gegen einen Tumor zählt die Impfung. Durch die Impfung gegen Hepatitis B lässt sich heute bereits das Hepatitis-B-assoziierte Leberzellkarzinom verhindern. Jetzt steht in Kürze auch eine Impfung gegen das Zervixkarzinom zur Verfügung, was als Meilenstein in der Prävention angesehen werden muss.

Das Zervixkarzinom, die dritt häufigste Krebserkrankung der Frau, ist ein impfpräventabler Tumor. Bereits seit Ende der 1970er Jahre ist bekannt, dass das humane Papillomvirus (HPV) in der Ätiopathogenese dieses Tumor eine entscheidene Rolle spielt. Allerdings zeigen nicht alle der bisher bekannten Genotypen dieses Virus das gleiche onkogene Potential.

Etwa 80% aller Zervixkarzinome sind HPV-16 und 18 assoziiert. Es lag somit nahe das Augenmerk bei der Entwicklung einer Vakzine auf diese beiden HPV-Genotypen zu richten. Da sich die Viren nicht in Zellkultur anzüchten lassen, waren die klassischen Wege der Impfstoffentwicklung verbaut. Daher mussten die Vakzinen mittels rekombinanter Techniken hergestellt werden.

Die vor kurzem vorgestellten Ergebnisse der Phase-II-Studien mit HPV-16/18-Vakzinen sind äußerst erfolgversprechend. Nicht nur sind die Impfstoffe klinisch wirksam, sondern auch sehr gut verträglich. Die Grundimmunisierung erfolgt mit 3 Impfdosen. Inzwischen laufen weltweite Phase-III-Studien. Nach Auswertung dieser Studien dürfte bereits in den nächsten 5 Jahren mit der Zulassung gerechnet werden.

Aufgrund epidemiologischer Untersuchungen muss von jährlich etwa 370.000 Fällen von Zervixkarzinomen mit einer Letalitätsrate von 50% weltweit ausgegangen werden. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 7500 Frauen am Zervixkarzinom, von denen 2500 versterben. Bei der Implementierung eines Impfprogrammes stellt sich die Frage, ab welcher Altersgruppe geimpft werden sollte. Hier sollte möglichst noch vor Beginn der Aufnahme der sexuellen Aktivität geimpft werden.

Gründe hierfür sind, dass insbesondere das jugendliche Zervixepithel für HPV besondern empfänglich ist und zudem die Mädchen heute zunehmend früher ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen. Es bietet sich somit an, als primäre Zielgruppe für ein generelles Impfprogramm Mädchen im Alter von 10-12 Jahren zu definieren.

Des weiteren sollten auch "Catch-up"-Impfungen für Mädchen über 12 Jahren durchgeführt werden. Aufgrund epidemiologischer Untersuchungen würde sich die Inzidenz des Zervixkarzinoms durch eine Miteinbeziehung von Jungen zwar um 2% weiter reduzieren lassen, wobei sich allerdings die Kosten eines Impfprogrammes erheblich in Höhe schrauben würden.

Aus Kosten-Nutzen-Überlegungen sollte sich daher ein Impfprogramm ausschließlich auf Mädchen fokusieren. Aufgrund aktueller epidemiologischer Untersuchungen würde sich die Inzidenz des Zervixkarzinoms in der Alterskohorte der 12-jährigen Mädchen mit Einführung eines generellen Impfprogrammes um 62% reduzieren lassen. Bei einem angenommenen Betrag von EUR 80.-/Dosis betragen die reinen Impfstoffkosten für die Grundimmunisierung einer Geburtskohorte von Mädchen in Deutschland voraussichtlich ca. 90 Millionen Euro. 

Da mit der Verfügbarkeit von wirksamen und gut verträglichen Vakzinen gegen HPV-16/18 bereits in den nächsten Jahren zu rechnen ist, sollte man sich bereits heute über die Struktur eines generellen Impfprogramms Gedanken machen. Durch die rechtzeitige Impfung ließe sich Inzidenz des Zervixkarzinoms in Deutschland um mindestens 60% reduzieren.

Es wäre daher wünschenswert, dass auch von Seiten der Kostenträger bereits heute eine Zustimmung zu einem Impfprogramm signalisiert werden würde, um eine Einführung nicht aus Kostengründen zu verzögern (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).


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