22.03.2010 - Röteln-Embryopathie: Impflücken schließen

Die Infektion mit dem Rötelnvirus in der Frühschwangerschaft kann zu schweren Schädigungen beim Fetus führen

Das Rötelnvirus ist ein genetisch stabiles RNA-Virus aus der Familie der Togaviridae im Genus Rubivirus. Es ist weltweit verbreitet. Und es kommt nur ein Serotyp beim Menschen vor, der zugleich das alleinige Reservoir für die Infektion darstellt. Die weltweite Inzidenz bzw. Bedeutung der Rötelninfektion ist von der Implementierung sowie Durchsetzung von Impfprogrammen bei Kleinkindern abhängig.

Die Infektion erfolgt zumeist durch Tröpfcheninfektion. Nach einer Inkubationszeit von 14 von 21 Tagen verlaufen 50% der Infektion asymptomatisch. Es kann sich auch ein kleinfleckiges makulöses oder makulopapulöses Exanthem bilden, welches nach 3 Tagen verschwindet und von Kopfschmerzen begleitet sein kann.

Die Infektion mit dem Rötelnvirus in der Frühschwangerschaft kann zu schweren Schädigungen beim Fetus führen. Zum klassischen Schädigungsbild gehören Defekte am Herz (offener Ductus arteriosus), an den Augen (Katarakt) und Ohren (Innenohrtaubheit). Weitere Folgen können eine Thrombozytopenie, geringes Geburtsgewicht, Hepatosplenomegalie, Enzephalitis, Hepatitis, Myokarditis oder Mikroenzephalie sein. Zudem kann es zum Abort oder Frühgeburtlichkeit kommen.

Röteln - Röteln-Embryopathie: Impflücken schließen (Illustration: mediXtra)

Die Diagnostik erfolgt zumeist serologisch, wobei der Impfstatus der Schwangeren zu beachten ist und Serumpaare erforderlich sind. Die pränatale Diagnostik kann bei fraglicher oder gesicherter Rötelninfektion einer Schwangeren mittels Zellkultur und PCRaus Chorion-Biopsiematerial oder Amnionflüssigkeit durchgeführt werden.

Erst mit der Einführung der aktiven Impfung gegen Röteln im Jahr 1974 kam es zu einem deutlichen Rückgang des auch als "Gregg-Syndrom" bezeichneten Krankheitsbild bei Neugeborenen. Insgesamt bewirkte die Verfügbarkeit einer aktiven Impfung einen deutlichen Rückgang der Rötelnmorbidität. Während in der alten BRD die Rötelnimpfung bereits 1980 öffentlich empfohlen war, stand dieser Impfstoff in der früheren DDR nicht generell zur Verfügung.

Seroprävalenzstudien zeigten, dass durch die selektive Impfung von Mädchen ab dem 13. Lebensjahr Impf- bzw. Seroprotektionslücken geschlossen werden konnten. So sind heute nur etwa 0,8 bis 3% der Frauen zwischen 18 bis 30 Jahren seronegativ. Dies bedeutet jedoch, dass zwischen 52.000 bis 194.000 Frauen im gebährfähigen Alter keinen Schutz vor Röteln aufweisen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass es auch heute noch, wenngleich allerdings sehr selten, zu Fällen von Röteln-Embryopathie kommt. Pro Jahr wird derzeit mindestens ein Fall einer konnatalen Rötelninfektion gemeldet. Die Rötelnembryopathie ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Wichtiges Reservoir für die Zirkulation des Rötelnvirus sind Männer, von denen im Alter zwischen 18 bis 30 Jahren immerhin noch 5 bis 13% seronegativ und damit empfänglich sind. Die von der WHO geplante Eradikation der Röteln bzw. der Rötelnembryopathie ist daher nur durch eine Impfrate von >90% bei Kleinkindern zu erreichen. Derzeit werden von der STIKO zwei Impfungen mit Kombinationsimpfstoffen empfohlen. Die 1. Dosis umfasst die Verabreichung von Masern-Mumps-Röteln -Varizellen (MMRV), gefolgt von einer 2. Dosis MMRV die frühestens 4 Wochen nach der ersten erfolgen sollte.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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