Noroviren, früher auch als Norwalk-Viren bezeichnet, gelten heute neben Rotaviren als die häufigsten Verursacher von viralen Gastroenteritiden. Die Erreger werden den Caliciviridae zugeordnet. Noroviren sind weltweit verbreitet. Infektionen kommen in allen Altersgruppen vor. Typischerweise verursachen Noroviren Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Schulen und Altersheimen. Auch in Krankenhäusern kommt es regelmäßig zu über mehrere Wochen andauernden Epidemien. Der Erreger zirkuliert ganzjährig in der Bevölkerung. Zu Erkrankungshäufungen kommt es meist in den Wintermonaten. Einziges epidemiologisch relevantes Virusreservoir ist der Mensch.
14.12.2009 - Norovirus: häufiger Erreger von Gastroenteritiden
Hygienemanagement: Händeschütteln verboten!
Die Übertragung der Noroviren erfolgt auf fäkal-oralem Weg. Ansteckungsquelle ist Stuhl oder Erbrochenes. Ausbrüche gehen oftmals von kontaminierten Speisen oder Getränken aus. Aufgrund der hohen Umweltresistenz spielen auch kontaminierte Gegenstände, wie Spielzeuge in Kindergärten, eine wichtige Rolle. In einigen Fällen scheint die Infektion auch auf aerogenem Weg zu erfolgen.
Die Inkubationszeit ist kurz und beträgt nur bis zu 6 bis 50 Stunden. Die Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung sowie meist noch über zwei Tage nach Abklingen der Symptome. Die bei Ausbrüchen beobachtete hohe Infektionsrate wird durch die hohe Viruskonzentration im Stuhl oder Erbrochenen von Erkrankten sowie durch die niedrige infektiöse Dosis, die für eine Ansteckung erforderlich ist, erklärt.
Klinisch kommt es zu akut beginnenden Gastroenteritiden, die durch Durchfälle und Erbrechen charakterisiert sind. Folge kann eine erhebliche Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes sein, was insbesondere bei Kleinkindern oder älteren Patienten Komplikationen verursachen kann. Darüber hinaus besteht ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Myalgien, Kopfschmerzen sowie Malaise. Fieber tritt selten auf, jedoch ist eine Temperaturerhöhung durchaus möglich.
Die Dauer der akuten Beschwerden beträgt in der Regel 12 bis 72 Stunden. Asymptomatische Verläufe sind möglich. Die Erkrankung ist selbstlimitierend; chronische Verluste kommen nicht vor. Der Nachweis einer Norovirus-Infektion erfolgt in der Regel mit der RT-PCR oder dem Antigen-Nachweis. Auch der Nachweis mit der Elektronenmikroskopie ist ist bei den hohen Viruslasten im Stuhl möglich. Die Therapie erfolgt symptomatisch, wobei hier die Korrektur des Elektrolyt- und Wasserverlustes vorrangig ist.
Spezifische Virusstatika sind bislang nicht bekannt. Nach durchgemachter Norovirusinfektion kommt es nur zu einer kurzdauernden Immunität. Eine spezifische Prophylaxe steht nicht zur Verfügung.
Beim Auftreten eines Ausbruches gilt es durch strengste Einhaltung der Hygieneregeln Kontaktinfektionen zu vermeiden. Die hohen Infektionsraten in Gemeinschaftseinrichtungen stellen eine besondere Gefahr für das Personal und die Aufrechterhaltung geordneter Betriebsabläufe dar.
Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gehören unter anderem das Tragen von Handschuhen und Schutzkitteln. Einfachste Strategie bei der Vermeidung einer Ansteckung ist sicherlich der Verzicht auf Händeschütteln. Von besonderer Bedeutung ist die Desinfektion von kontaminierten Flächen, insbesondere in Sanitärbereichen. Dabei ist zu beachten, dass nur Präparate eingesetzt werden sollen, die über eine nachgewiesene Viruswirksamkeit verfügen.
Für den Einsatz taugliche Desinfektionsmittel können aus der vom Robert KochRobert Koch-Institut geprüften Liste von anerkannten Präparaten ersehen werden. Nach dem Infektionsschutzgesetz § 7 ist der Nachweis der akuten Infektion namentlich meldepflichtig. Allerdings ist der Stellenwert der Diagnostik bei Ausbrüchen von Norovirusinfektionen eher untergeordnet. Kommt es zur Erkrankungshäufung kann die Ätiologie mittels Antigennachweis oder Nukleinamplifikationsmethoden verifiziert werden. Es ist jedoch wenig wirtschaftlich und medizinisch unnötig, bei jedem betroffenen Patienten die Diagnose durch den Nachweis des Erregers zu bestätigen, sofern sich die Symptomatik ähnelt und die Erkrankungsfälle epidemiologisch in Zusammenhang stehen.
Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Durchführung der Diagnostik liegt beim behandelnden Arzt. Bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen ist der Betriebsarzt zuständig. Ggf. sollte der Öffentliche Gesundheitsdienst bezüglich des Ausbruchsmanagements zu Rate gezogen werden.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
© Medizinische Enzyklopädie 2010