24.09.2010 - Zurück ins Arbeitsleben

Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation unterstützt berufliche Wiedereingliederung

Die möglichst dauerhafte berufliche Wiedereingliederung und die Erhaltung der Erwerbsfähigkeit stellen übergeordnete Ziele der Rehabilitation durch die gesetzliche Rentenversicherung dar. Arbeitsbezogene und soziale Anforderungen sollen, gemäß den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (s. ICF) und unserer Sozialgesetzgebung, in den Rehabilitationsprozess einbezogen und Wege zu deren Bewältigung vermittelt werden.

Hier setzt die medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation (MBO®) an, die in den Medizinischen Zentren für Arbeit und Beruf (MedZAB) der Klinik Bavaria in Kreischa, Zscheckwitz (Sachsen), Bad Kissingen und Freyung angeboten wird. Wichtigstes Anliegen ist es, die berufliche Wiedereingliederung eines Rehabilitanden nach einem längeren stationären Reha-Aufenthalt aktiv vorzubereiten und nachhaltig zu unterstützen.

Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation unterstützt berufliche Wiedereingliederung

Zunächst werden die berufsbezogenen Fähigkeiten des Rehabilitanden und die Anforderungen an seinem Arbeitsplatz mittels der MBO®-spezifischen, erweiterten fachärztlichen und arbeitsbezogenen Diagnostik geklärt (z. B. arbeitsmedizinische Untersuchungen und Anamnese, Erstellung eines beruflichen Anforderungsprofils, Screening funktionell-motorischer Leistungsfähigkeit, berufsbezogene Leistungs- und Funktionsdiagnostik (z. B. EFL), berufsbezogene klinisch-psychologische und neuropsychologische Diagnostik).

Anschließend wird der berufsbezogene Anforderungs-/ Fähigkeitsvergleich mit dem Bavaria Rehabilitanden Assessment (BRA) vorgenommen. Dabei zeichnet sich bereits ab, ob die Reintegration beim bisherigen Arbeitgeber am alten Arbeitsplatz möglich ist, oder ob ein leistungsangepasster bzw. ein Umsetz-Arbeitsplatz gefunden bzw. geschaffen werden muss. Unter Umständen kommt auch eine Teilzeittätigkeit oder eine einfachere Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes in Betracht. Intention aller MBO®-Maßnahmen ist es, das Beschäftigungsverhältnis und die Erwerbsfähigkeit des Rehabilitanden möglichst langfristig zu sichern.

Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation - MBO

Reha-Ziele

Es folgt die Festlegung der individuellen Reha-Ziele. Hauptziel ist die realitätsnahe Vorbereitung des Rehabilitanden auf die berufliche Wiedereingliederung unter Berücksichtigung geeigneter Kompensationsstrategien. Hierauf wird der jeweilige Reha- und Therapieplan ausgerichtet.

Team

Die laufende Betreuung erfolgt durch das interdisziplinäre MBO®-Team, bestehend aus Facharzt, Arbeitsmediziner, Physiotherapeut, Arbeitspsychologe/Neuropsychologe, Berufspädagoge, Ergonomietrainer, Ergotherapeut, Sozialpädagoge und sonstigen beteiligten Berufgruppen. Zum Team gehört bei besonderen neurologischen Projekten auch ein Fallbetreuer, der den Rehabilitanden über den gesamten Rehabilitationszeitraum bis zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess begleitet. Bereits während des stationären Aufenthaltes besucht er den Arbeitgeber und den Arbeitsplatz des Rehabilitanden, um die Voraussetzungen für die berufliche Wiedereingliederung am bisherigen Arbeitsplatz bzw. in einer leistungsbildgerechter Alternativtätigkeit zu besprechen.

Therapieformen und Arbeitsplatztraining

Während der stationären MBO-Maßnahme werden   bezogen auf die berufliche Tätigkeit – praxistaugliche Strategien zur Kompensation körperlicher, geistiger und psychischer Defizite entwickelt und in der Klinik vermittelt. Zu den klinischen Behandlungsformen zählen u.a. physikalische Therapie, Physiotherapie, klinische und Neuro-Psychologie, Ergo- und Sporttherapie, Logopädie, Ernährungs-Beratung, medizinische Trainingstherapie, berufsorientiertes Muskelaufbautraining und Freizeitsport für den beruflichen Ausgleich.

In den MedZABs stehen zusätzlich klinikeigene Werkstätten und Modellarbeitsplätze für das Ergonomie- bzw. Arbeitsplatztraining zur Verfügung. Angeboten werden u.a. Tätigkeiten in Metallbearbeitung/Schlosserei, Holzbearbeitung/Schreinerei, Elektrotechnik, Garten- und Landschaftsbau, im kfm. Bereich, in der Gastronomie usw.. Weiterhin werden Tests zur Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), Belastungserprobungen, berufsspezifische Ausgleichs- und Funktionsgymnastik und ein berufsspezifisches Funktionstraining durchgeführt.

Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation - MBO

Konzertierte Aktion

Eine Kernkompetenz der MBO ist die konzertierte Aktion, indem die Verfahrensabläufe durch enge Abstimmung zwischen Rehabilitand, Rentenversicherungsträger (Reha-Fachberater), Reha-Klinik (Fallbetreuer), Angehörigen und Arbeitgeber sowie gegebenenfalls weiteren beteiligten Personen und Einrichtungen kontrolliert, koordiniert und optimiert werden.

Mit Beendigung der stationären Reha-Maßnahme werden Vorschläge zum weiteren Vorgehen gemacht, wie z.B. ambulante Therapie, ambulante Wiedervorstellung in der Klinik Bavaria oder Belastungserprobung im MedZAB. Die Beendigung der Fallbetreuung erfolgt nach Wiedereingliederung in den Beruf, spätestens ein Jahr nach Entlassung.

Ergebnisse

Trotz häufig schlechter Ausgangsbedingungen können mit dem MBO-Verfahren die  gesetzlichen Vorgaben zur Nahtlosigkeit des Rehabilitationsverfahrens realisiert werden. Durch die Fallbetreuung wird der Rehabilitationsablauf im Vergleich zur konventionellen Vorgehensweise in der Rehabilitation in der Regel deutlich verkürzt. Schließlich konnten nach MBO®-Maßnahmen der Klinik Bavaria bei orthopädischen Patienten eine subjektiv stärkere Erhöhung der körperlichen und beruflichen Leistungsfähigkeit und bessere Ergebnisse in den Partizipationskriterien Arbeitsfähigkeit und Erwerbsquote (seltenere Anträge auf EM-Rente) nachgewiesen werden. Bei neurologischen Patienten wurde eine weit überdurchschnittliche berufliche Reintegrationsquote erzielt. (Andreas Frädrich, Pressesprecher)


Sendehinweis:

MDR "Hauptsache gesund" 14.10.2010 ab 21 Uhr


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