Mit zunehmenden Alter kann die Flugreisetauglichkeit bei Personen mit bestehenden Vorerkrankungen eingeschränkt sein. Im schlimmsten Fall muss sogar ärztlicherseits von einer Flugreise abgeraten werden. In meisten Fällen wird zunächst der Hausarzt mit dieser Fragestellung konsultiert, der dann darüber entscheidet, ob ein flugmedizinisch erfahrener Arzt oder der flugmedizinische Dienst der Fluggesellschaft konsultiert werden muss.
Ein häufiges klinisches Problem stellt die Anämie aufgrund verschiedenster Ursachen dar. Generell gilt, dass die Anämie kompensiert sein sollte. Als unterer Grenzwert gilt eine Hämoglobin-Konzentration von 10 mg/dl, wobei jedoch die Genese der Anämie von Bedeutung ist. Handelt es sich um Patienten, bei denen es wegen einer chronischen Anämie zu einer Adaptionen gekommen ist, wie zum Beispiel bei Hämodialyse-Patienten, sind Hämoglobin-Konzentrationen von 8 mg/dl meist noch verträglich.
19.04.2009 - Eingeschränkte Flug-Reisetauglichkeit bei vorbestehenden Erkrankungen
Tauglichkeit bei Flugreisen: Bei der reisemedizinischen Beratung berücksichtigen
Anders ist dies jedoch, wenn zugleich eine koronare Herzkrankheit besteht. Handelt es sich um eine akute Anämie, zum Beispiel in Folge eines Traumas oder einer Operation, sollte der Patient in Abhängigkeit von anderen Grundkrankheiten ggf. vor Antritt der Flugreise eine Transfusion erhalten.
Herz-Kreislauferkrankungen kommen mit zunehmenden Alter häufiger vor. Bei der koronaren Herzkrankheit ist die Flugreisetauglichkeit vom klinischen Zustand des Patienten, entsprechend der Einteilung im NYHA-Stadium I-IV, abhängig. Während beim NYHA-Stadium I und II die Reisefähigkeit nicht eingeschränkt ist, bedarf es beim Stadium III bereits der intermittierenden Sauerstoffgabe und eines eventuellen Liegendtransportes. Beim Stadium IV mit instabiler Angina pectoris ist der Patient nicht mehr flugreisetauglich.
Ein bestehender arterieller Hypertonus ist keine Kontraindikation für Flugreisen, da es während einer Flugreise nur zu einem geringfügigen Anstieg des diastolischen Druckes kommt. Zu berücksichtigen ist allerdings die durch Flugreisen bedingte Zeitverschiebung bei der Einnahme der Medikamente.
Bei entzündlichen Herzerkrankungen hängt die Flugreisetauglichkeit von der kardialen Kompensationsfähigkeit ab. Während eine unkomplizierte Myokarditis meist keine Probleme verursacht, bestehen bei einer Perikarditis mit Ergussbildung oftmals Bedenken wegen der Hypoxie und der gesteigerten Kreislaufbelastung. Bei bestehender Herzinsuffizienz ist auf eine ausreichende Kompensation zu achten. Zu berücksichtigen ist insbesondere ein ausgeglichener Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt.
Bei Asthma bronchiale kann die Lufttrockenheit, jedoch auch der durch die Reise bedingte Stress, während des Fluges anfallsauslösend sein. Dies betrifft oftmals insbesondere Raucherflüge. Wichtig ist, dass Betroffene ein Asthmolyticum während des Fluges mitführen. Bei einer chronischen Bronchitis oder Emphysem kann die Flugreisetauglichkeit nur durch eine ärztliche Untersuchung beurteilt werden.
Bei akuten entzündlichen Lungenerkrankungen besteht eine generelle Flugreiseuntauglichkeit wegen der Reduktion der Gasaustauschfunktion. Ein Pneumothorax gilt als absolute Kontraindikation für eine Flugreise. Auch nach Behandlung eines Pneumothorax sollte ein Abstand von mindestens 6 Wochen eingehalten werden.
Eine Depression ist keine Einschränkung der Flugreisetauglichkeit. Es sollte jedoch bedacht werden, dass es durch den Reisestress zur Auslösung eines Schubes kommen kann. Nach dem Warschauer Abkommen sind Personen mit Geisteskrankeiten auf Flugzeugen der zur IATA gehörenden Linienflügen aufgrund gesetzlicher Regelungen von der Beförderung ausgeschlossen. Dies betrifft Personen mit Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises oder schweren Manien.
Besteht eine akute Infektionskrankheit sollte, sofern eine Übertragbarkeit besteht, eine Flugreise unterbleiben. Für bestimmte Infektionskrankheiten besteht darüber hinaus ein Flugverbot. Zu berücksichtigen ist, dass manche Infektionskrankheiten mit einer Kreislauflabilität assoziiert sind (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010