EHEC: Verzehrempfehlungen zu rohen Sprossen und Keimlingen
Aus Sicht der Bundesbehörden keinen Grund mehr für die Empfehlung, zum Schutz vor Infektionen mit EHEC O104:H4 Sprossen und Keimlinge generell nicht roh zu verzehren. Aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie Sprossen und Keimlinge, die aus diesen Samen gezogen wurden, sollten aber weiterhin nicht roh verzehrt werden. Sollten in Privathaushalten noch Bockshornkleesamen für Sprossen und Keimlinge vorhanden sein, die in den Jahren 2009 bis 2011 gekauft wurden, sollten diese mit dem Restmüll entsorgt werden. Dies trifft auch für Samenmischungen zu, die Bockshornkleesamen enthalten. Verbrauchern, die Bockshornkleesamen nicht anzüchten, sondern für eigene Gewürzmischungen nutzen möchten, sollten diese vor der Weiterverarbeitung, z.B. durch Rösten in der Pfanne, kräftig erhitzen. Auch nach einem Ende des aktuellen Ausbruchs ist mit weiteren EHEC O104:H4-Erkrankungen beim Menschen zu rechnen. Diese Infektionen können von Mensch zu Mensch übertragen werden (Schmierinfektion) oder auch durch Lebensmittel, die von erkrankten Menschen kontaminiert wurden. Es ist daher weiterhin auf die konsequente Einhaltung persönlicher hygienischer und lebensmittelhygienischer Maßnahmen zu achten... [mehr]
Krisenkommunikation in Universitätskliniken
Todesfälle durch ungeklärte Infektionen, Doping-Verdacht und Medien-Kampagnen wegen angeblicher Behandlungsfehler: Wie schaffen es Universitätsklinika, schwere Krisen intern zu bewältigen und erfolgreich mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren? Im Krisenfall muss die Klinikumsleitung entschlossen und professionell handeln. Ein vorbildhaftes Krisenmanagement lieferte im Sommer 2010 die Universitätsmedizin Mainz: Konsequente Aufklärung deckte die Ursache der tödlichen Infektion bei Frühgeborenen, einen Defekt in einer gelieferten Flasche, rasch auf. Die Öffentlichkeit war von Anfang an in den Aufklärungsprozess einbezogen und stets umfassend informiert. Der offene Umgang mit einem möglicherweise schuldhaften Verhalten wird von den Menschen als positiv empfunden. Breite Aufmerksamkeit in den Medien fand 2007 der Skandal um die Beteiligung von Sportmedizinern des Freiburger Uniklinikums am Doping von Leistungsportlern. Auf die sukzessiven Geständnisse der betroffenen Ärzte und Sportler reagierten Klinikum und Universität mit der Einsetzung einer Untersuchungskommission mit unabhängigen Experten, die umfassende Aufklärungsarbeit leistete.
Was tun wenn eine Landesregierung 25 Millionen Euro einsparen will und deshalb einen Medizinstudiengang schließen will? Die Universität Lübeck, deren Schicksal mit diesem Studiengang verknüpft ist, wollte das Verdikt nicht hinnehmen und machte mobil. Unter dem Kampagnen-Motto „Eine Stadt sieht gelb“ gelang es mehr als 100.000 Lübecker und Unterstützer sowie die Medien in zahlreichen Aktionen zu mobilisieren und mit ihrer Hilfe die Landesregierung Schleswig-Holstein in die Knie zu zwingen. Die Rettung kam aus Berlin: Mit Hilfe einer Finanzrochade stellte das Forschungsministerium die nötigen Gelder bereit. Sachliche Informationen reichen beim Krisenmanagement nicht aus, Emotionen müssen beachtet und genutzt werden... [mehr]
Parasiten an den Genen erkennen
Was beim Menschen in den allermeisten Fällen wenig spektakulär verläuft, ist für Reptilien hochgefährlich: Eine durch Parasiten ausgelöste Entzündung des Verdauungstrakts, die Kryptosporidiose. Sie ist bei diesen Tieren hoch ansteckend und verläuft oft tödlich. Eine Infektion der Tiere früh zu erkennen, ist schwer. Obwohl die Kryptosporidiose schon seit mehr als hundert Jahren bekannt ist, nahm man lange an, dass sie eine äußerst seltene Krankheit sei. Erst mit der Entdeckung, dass sie auch Menschen betreffen und besonders bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auch problematisch verlaufen kann, bekam die Kryptosporidiose breitere Aufmerksamkeit. Die Krankheit wird von einem einzelligen Parasiten verursacht, der zur Familie der Kryptosporidia gehört. Einige ihrer Vertreter infizieren auch Reptilien, die nach einer unterschiedlich langen Inkubationszeit bei sonst gesund erscheinenden Tieren Erkrankungen des Verdauungstrakts auslösen. Bei Reptilien verläuft die Kryptosporidiose chronisch und ist unheilbar. Um Infektionsraten niedrig zu halten, werden verlässliche Diagnosetechniken gebraucht. Die Krankheit wird über den Nachweis des Parasiten im Reptilienkot diagnostiziert. Schwierig wird die Sache dadurch, dass besonders Schlangen auch Parasiten ausscheiden, die sie zuvor mit ihren Beutetieren aufgenommen haben. Deshalb lässt sich auch bei Nachweis von Kryptosporidien im Kot nicht sagen, ob die Tiere auch tatsächlich mit der für sie gefährlichen Parasitenart infiziert sind.
Mit einem neuen Test konnte erstmals gezeigt werden, dass eine von sechs der als Haustiere beliebten Kornnattern und einer von zwölf Leopardgeckos eine bestimmte, für die Tiere gefährliche Kryptosporidienart in sich tragen. Diese Zahlen sind weit höher als bisher vermutet und lassen auf eine weite Verbreitung des Erregers bei bestimmten Reptilienarten schließen, die als Haustiere gehalten werden. Kornnattern scheinen besonders häufig infiziert zu sein. Leopardgeckos tragen verschiedene Arten von Kryptosporidien. Auch wenn diese Tiere möglicherweise nicht selbst erkranken, können sie doch andere Reptilienarten anstecken, mit denen sie in Kontakt kommen. Viele Reptilienfreunde halten mehrere Arten in Gemeinschaft, deshalb besteht ein hohes Ansteckungsrisiko zwischen den einzelnen Reptilienarten... [mehr]
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