Medizinische Enzyklopädie

Medizin - international & interdisziplinär

Medizin - Intensiv & innovativ

Im Bilde - Entscheidungen werden im Vorderhirn gefällt

Ständig trifft unser Gehirn kleinste Entscheidungen, ganz ohne dass wir es merken. Zeigt ein Bild einen Mann oder eine Frau? Selbst wenn das Bild unscharf ist, deutet unser Gehirn die Informationen meist richtig. Schon länger vermuteten Fachleute, dass ein bestimmter Bereich des Vorderhirns - der dorsolaterale Präfrontalkortex - an Entscheidungen beteiligt ist. Diesen schalteten die Forscher mit der so genannten transkranielle Magnetstimulation (TMS) für kurze Zeit aus. Anschließend baten sie die 12 Versuchspersonen, so schnell wie möglich zu entscheiden, ob sie auf einem Bildschirm ein Auto oder ein Gesicht erkennen. Das Ergebnis: war die untersuchte Hirnregion gehemmt, zögerten die Personen länger und entschieden sich häufiger falsch. Die Qualität der Bilder spielte dabei keine Rolle. Damit wiesen die Forscher erstmals nach, dass der dorsolaterale Präfrontalcortex beim Menschen einen kausalen Einfluss auf Entscheidungen hat. Mit dieser Studie konnte eine Lücke zwischen dem Wissensstand bei Tieren und bei Menschen in dieser Hinsicht geschlossen werden.

Ein Computermodell bestätigte die Funde der Wissenschaftler. Es erlaubt, Faktoren wie die visuelle Verarbeitung der sensorischen Reize von der eigentlichen Entscheidungsfindung abzugrenzen. Zudem berücksichtigt es, wie Entscheidungen bei unterschiedlichen Bedingungen, beispielsweise bei schlechter Qualität der Bilder, getroffen werden. Dem Drift-Diffusions-Modell zufolge ist die Entscheidungsbildung nicht geradlinig. Man kann das Verhalten mit einem Aktienkurs vergleichen. Zufällige Einflüsse führen zu einem Schwanken des Kurses. Ein Broker legt Ober- und Untergrenzen fest, bei denen die Aktie verkauft werden soll. Je mehr positive oder negative Informationen über die Firma bekannt werden, desto stärker verschiebt sich der Kurs in eine Richtung. Das Sammeln der Informationen für den Entscheidungsprozess ist nun mit dem schwankenden Aktienkurs vergleichbar, die Entscheidung selbst mit einem Durchbrechen der Grenzen. Das Modell erklärt sowohl, warum wir unterschiedlich lange für Entscheidungen brauchen, als auch warum wir uns manchmal falsch entscheiden... [mehr]

Medizin - Neue Medien, altes Leid

Krisenkommunikation in Universitätskliniken

Todesfälle durch ungeklärte Infektionen, Doping-Verdacht und Medien-Kampagnen wegen angeblicher Behandlungsfehler: Wie schaffen es Universitätsklinika, schwere Krisen intern zu bewältigen und erfolgreich mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren? Im Krisenfall muss die Klinikumsleitung entschlossen und professionell handeln. Ein vorbildhaftes Krisenmanagement lieferte im Sommer 2010 die Universitätsmedizin Mainz: Konsequente Aufklärung deckte die Ursache der tödlichen Infektion bei Frühgeborenen, einen Defekt in einer gelieferten Flasche, rasch auf. Die Öffentlichkeit war von Anfang an in den Aufklärungsprozess einbezogen und stets umfassend informiert. Der offene Umgang mit einem möglicherweise schuldhaften Verhalten wird von den Menschen als positiv empfunden. Breite Aufmerksamkeit in den Medien fand 2007 der Skandal um die Beteiligung von Sportmedizinern des Freiburger Uniklinikums am Doping von Leistungsportlern. Auf die sukzessiven Geständnisse der betroffenen Ärzte und Sportler reagierten Klinikum und Universität mit der Einsetzung einer Untersuchungskommission mit unabhängigen Experten, die umfassende Aufklärungsarbeit leistete.

Was tun wenn eine Landesregierung 25 Millionen Euro einsparen will und deshalb einen Medizinstudiengang schließen will? Die Universität Lübeck, deren Schicksal mit diesem Studiengang verknüpft ist, wollte das Verdikt nicht hinnehmen und machte mobil. Unter dem Kampagnen-Motto „Eine Stadt sieht gelb“ gelang es mehr als 100.000 Lübecker und Unterstützer sowie die Medien in zahlreichen Aktionen zu mobilisieren und mit ihrer Hilfe die Landesregierung Schleswig-Holstein in die Knie zu zwingen. Die Rettung kam aus Berlin: Mit Hilfe einer Finanzrochade stellte das Forschungsministerium die nötigen Gelder bereit. Sachliche Informationen reichen beim Krisenmanagement nicht aus, Emotionen müssen beachtet und genutzt werden... [mehr]

Medizin - einfach tierisch

Parasiten an den Genen erkennen

Was beim Menschen in den allermeisten Fällen wenig spektakulär verläuft, ist für Reptilien hochgefährlich: Eine durch Parasiten ausgelöste Entzündung des Verdauungstrakts, die Kryptosporidiose. Sie ist bei diesen Tieren hoch ansteckend und verläuft oft tödlich. Eine Infektion der Tiere früh zu erkennen, ist schwer. Obwohl die Kryptosporidiose schon seit mehr als hundert Jahren bekannt ist, nahm man lange an, dass sie eine äußerst seltene Krankheit sei. Erst mit der Entdeckung, dass sie auch Menschen betreffen und besonders bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auch problematisch verlaufen kann, bekam die Kryptosporidiose breitere Aufmerksamkeit. Die Krankheit wird von einem einzelligen Parasiten verursacht, der zur Familie der Kryptosporidia gehört. Einige ihrer Vertreter infizieren auch Reptilien, die nach einer unterschiedlich langen Inkubationszeit bei sonst gesund erscheinenden Tieren Erkrankungen des Verdauungstrakts auslösen. Bei Reptilien verläuft die Kryptosporidiose chronisch und ist unheilbar. Um Infektionsraten niedrig zu halten, werden verlässliche Diagnosetechniken gebraucht. Die Krankheit wird über den Nachweis des Parasiten im Reptilienkot diagnostiziert. Schwierig wird die Sache dadurch, dass besonders Schlangen auch Parasiten ausscheiden, die sie zuvor mit ihren Beutetieren aufgenommen haben. Deshalb lässt sich auch bei Nachweis von Kryptosporidien im Kot nicht sagen, ob die Tiere auch tatsächlich mit der für sie gefährlichen Parasitenart infiziert sind.

Mit einem neuen Test konnte erstmals gezeigt werden, dass eine von sechs der als Haustiere beliebten Kornnattern und einer von zwölf Leopardgeckos eine bestimmte, für die Tiere gefährliche Kryptosporidienart in sich tragen. Diese Zahlen sind weit höher als bisher vermutet und lassen auf eine weite Verbreitung des Erregers bei bestimmten Reptilienarten schließen, die als Haustiere gehalten werden. Kornnattern scheinen besonders häufig infiziert zu sein. Leopardgeckos tragen verschiedene Arten von Kryptosporidien. Auch wenn diese Tiere möglicherweise nicht selbst erkranken, können sie doch andere Reptilienarten anstecken, mit denen sie in Kontakt kommen. Viele Reptilienfreunde halten mehrere Arten in Gemeinschaft, deshalb besteht ein hohes Ansteckungsrisiko zwischen den einzelnen Reptilienarten... [mehr]

Medizin - Infografiken

Thema Gefahren in Sozialen Netzwerken - Social Media (Deutscher Infografikdienst)